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| SEE AND BE SCENE - video stage for dance performance - 2000 > >>VIDEO |
The whole of the theatre scenery is built on the sandwich principal. The video projection is 6 metres above the stage and spectators. The viewer sits at a 16 metre long catwalk as though sitting to dinner. Upon the table there are five japanese table-dancers who, because of their immediacy to the viewer, dont allow the chance of a distant view. The bodies of the dancers become more intimate, more magnified. the piece was created by helena waldmann and inspired by the cult novel „glamorama“ by Bret Easton Ellis where everything is put on: ones body, the environment. Every detail is uncovered, directly and without shame, every motion exposed. But the apparent openness of the scene lacks in moments of consideration: the novel reader recieves just as little truth as do the viewers here watching the scene on the catwalk. Caught in the headlights of the media, the eye oversees everything, what is actually meant: knowledge and distance. The table dancers are wearing nothing but skin. Not their own skin but that of Alba d`Urbano, who imprinted the costumes with the image of her own body. The piece is accompanied by the percussionist Arik Hayut. Dinner for everyone von Antje Schmelcher, Die Welt Mode ist Terror. Das ist die mittlerweile bekannte Quintessenz aus Bret Easton Ellis' Roman "Glamorama", in dem sich Models ganz bildhaft als Terroristen entpuppen. Der Terror der Oberfläche kann jeden treffen. Denn auch, wer sich dem Diktat der Mode entziehen will, muss sich doch anziehen. Und ist schon gefangen im Netz aus Lust und Lüge. Die für ihre assoziativen Inszenierungen aus Ton-, Licht- und Raumkunst bekannte Regisseurin Helena Waldmann hat für Easton Ellis' Roman neue Bilder gefunden. Als feiere sie ein Abendmahl der Eitelkeiten, hat sie das Publikum zu einem Bankett unter dem Motto "see and be scene" um den Laufsteg im Atrium des Hauses der deutschen Wirtschaft gruppiert. Statt Gedeck findet der Zuschauer nur einen Spiegel, in dem er vornübergebeugt in ungewohnter Perspektive sein leicht hängendes Gesichtsfleisch sehen kann. Der Spiegel ist auch der Schlüssel zur Entzifferung des Menetekels, das die Videokünstlerin Karina Smigla-Bobinski auf die Leinwand über dem Laufsteg projiziert hat. "Appear here" kündigen die Buchstaben eine Erscheinung an, die so flüchtig ist wie ihre Form. Es sind Wassertropfen, in denen sich jeweils ein Gesicht spiegelt, das mit dem Entsetzen eines Gefangenen vor der Hinrichtung auf sein Zerplatzen wartet. Wenn es von einem anderen Tropfen angestoßen wird, löst es sich in einem langen lautlosen Rinnsal auf. Ebenso grausam vollzieht sich die Auflösung der äußeren Hülle der drei Tänzerinnen, die zu den schnarrenden und klopfenden Takten des Percussionskünstlers Arik Hayut in plissierten weißen Kimonos über den Laufsteg schreiten. Seltsam provozierend und lustvoll biegen sie sich dem Publikum entgegen, bis sie mit einem plötzlichen Griff ins Genick sich selbst in ihrem Gewand zu erhängen scheinen. Kein Münchhausentrick zur Selbstrettung, sondern ein Bild sterbender Engel, die sich mühsam aus ihrer Hülle schälen. Darunter tritt eine Nacktheit zutage, die mit den aufgemalten Geschlechtsteilen auf den Kostümen der Designerin Alba D'Urbano bloß vorgibt, natürlich zu sein. Ebenso natürlich wie die Nacktheit, die von den Medien täglich als eine "echte" inszeniert wird. Wie falsch und zerstörerisch diese Intimität ist, zeigt Waldmann durch den fortgesetzten Prozess der Häutungen ihrer Tänzerinnen. Die letzte Haut tragen die Frauen schließlich zu einem kleinen Bündel verschnürt in ihren Händen vom Laufsteg. Das Entsetzen des Publikums soll aber nur scheinbar in einer japanischen Teezeremonie gemildert werden. Demütig knien die Frauen vor ihren Gästen, denen sie lächelnd eine Schale mit Tee reichen. Von der Intimität bis zur Zerstörung des Körpers ist es nur ein kleiner Schritt. Denn in das Lächeln der Frauen stechen im unbarmherzigen Takt einer Nähmaschine riesige Nadeln, die auf die Leinwand über dem Laufsteg projiziert werden. Mode ist eben die schmeichelhafteste Form des Terrors. © Antje Schmelcher, Die Welt, 1. August 2000
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