| WURMLOCH - Video-Installation im öffentlichen Raum - 2008 > >>VIDEO > >>STANDORT | |||
Das Thema des Busan Biennale 2008 war "Expenditure" (Verschwendung/Überfluss) basiert auf Georges Battile Idee von Konsum und Überfluß als Hauptfaktoren eines schöpferischen Prozesses, wobei die Ironie und Paradox zu Schlüßelelemeneten wurden. Dies ist keine kalkulierte Vernunft-Aktion, sondern ein unermessliche Freiraum für neue Erfahrungen ohne Gewähr auf ein Ergebnis oder ein Resultat. Sea Art Festival als Teil des Busan Biennale läuft unter dem Titel "Voyage without boundaries" (Reise ohne Grenzen). "Voyage without Boundaries" symbolisiert eine Reise in einen unbekannten Raum. Moderne Konzepte einer Reise sind in einem linearen euklidischen Raum eingeschlossen: einem, der einen konkreten Anfang und Ende hat. Große Seereisen der Vergangenheit, wie auch die heutigen Reisen in unserem globalen Dorf, folgen den Routen in einem Raumkonzept mit Beginn bis zu einem gewissen Endpunkt. Sowie euklidischen Konzepte, nach Entdeckungen in der nichteuklidischen Geometrie sich ändern mussten, so Raum und Wissen sind nicht zur einer linearen und festgelegten Reise gelangen, sondern zur einen experimentalen Beobachtung. Intelektuelle Reisen, welche entdeckten Nicht-Lineare, Nicht- Euclidische Gebiete, haben die Küstlerische-Reisen, auf eine einzigartige Weise bestätigt. "Reise ohne Grenzen" ist eine Künstlerische Erkundung des Begriff des Überschusses von Batailles. Diese Arbeit vereint in sich die Auseinandersetzungen mit den konventionllen Weisheiten von Raum und Zeit, mit dem globalen Dorf als schmelzkegel von Kulturen, wie auch mit den Ängsten, Wünschen und Fantasien die damit verbunden sind. Es werden hier vereint: Wurmlöcher, Mandalas und die Geschichte der bewohnten höhlen Erde, die in der Wissenschaft, die bis zu 19 J.H. als möglich gesehen und geforscht war. Ein Wurmloch ist eine theoretische Gebilde. Der Name "Wurmloch" stammt von der Analogie mit einem Wurm, welcher sich durch einen Apfel frisst. Er verbindet also 2 Seiten desselben Raums/Oberfläche, durch einen Tunnel. 2 Orte, die auf der anderen Seite der Erde liegen (z.B. Busan und N.Y.) und so weit von einander entfernt liegen, rutschen dank der modernen Technik und den globalen Wirtschaft sehr eng zusammen ... so als ob ein Wurmloch bereits existieren wurde. Anfangs des Loches liegt irgendwo in Busan. Auf der anderen Seite schaut mann durch das andere Ende des Loches, entlang der Häuser (mann sieht auch Menschen, die auf der anderen Seiten das Loch hineinschauen) in den Himmel und so in die Unendlichkeit dahinter, den Kosmos. Mann kann also sagen, dass diese Verbindung entsteht zwischen 2 Städten einerseits, anderseits zwischen der Unendlichkeit auf der einen und Unendlichkeit auf der anderen Seite des Loches. So gesehen gibt es kein Anfang und kein Ende. Mandala bedeutet schlicht "Kreis", "Ring" oder auch "Scheibe". Im ursprunglichen Sinn wurde Mandala zur Veranschaulichung der Darstellung der Welt verwendet. Sie werden dazu benutzt etwas optisch-geistig zu projizieren. Dies soll zu vertifter geistiger Konzentrationfähigkeit führen. Die Ich-Anfang (in Buddismus Ursache alles Leids) wird so vermindert, da man geistig die Grenze zwischen Körper-Identifikation und Raumerfahrung überschreitet. Bataill war von Ideen des Buddismus sehr faziniert. Die Häuser, Bäume etc. die mann "auf der anderen Seite" zu sehen bekommt, werden an Mandala mi ihrer zentrischen Aufbau erinnern. Die Theorie der hohlen Erde ist eine wissenschaftliche Theorie, die bis in den 19. J.H. und hatte grosse Vertreter, wie z.B. Edmund Halley (17 J.H.) von der Royal Society. Diese Theorie annahm, dass die Erde innen hohl sei, der Erdkern also nicht existierten. Das Innere der Erde sollte durch verschiedene Öffnungen, zum Beispiel große Öffnungen im Bereich der Pole, zugänglich sein. Es existieren ernsthafte wissenschaftliche Forschungen und viele Reiseberichte von den Reisen, die zum Inenern der Welt unternohmen wurden. Die, die es angeblich geschaft haben, berichteten von der hohlen Erde mit einer eigenen Sonne. Diese Ort sollte auch bewohnt werden von Menschen, die sich auf einer viel höheren Stufe der Zivilisation befanden. Diese Zivilisation scheit, das Ideal-Model unseres heutigen globalen Dorfes gewesen sein oder die neue bessere Geselschaft in Sinne von Bataill ... oder es könnte fast ein seiner Experimente gewesen sein. Heutige suche nach dem Leben im All, ist nur die Fortführung diese Geschichte/Sehnsucht.
Von Wurmlöchern, Hohler Erde und Mandalas von Navina Sundaram Eine Brücke, ein Sandhügel, das Meer und der Ur-Instinkt zu graben, zu buddeln, aufzustöbern und zu schauen was auf der anderen Seite liegt.Wo ist die andere Seite? Fiel Alice durch ein Wurmloch, als sie in ihr Wunderland hineinstolperte? Aber die Einstein-Rosen-Brücken der allgemeinen Relativitätstheorie waren noch nicht entdeckt, als Lewis Caroll seine Alice durch Zeit und Raum sausen ließ. „Alle Zeit ist ewig gegenwärtig. In meinem Anfang ist mein Ende“. Vielleicht existierten jene Raumzeit-Röhren, die als Abkürzungen zwischen astronomischen Entfernungen dienen, schon lange bevor die Menschheit dahintergekommen war? Auf einer Zeitreise fahrend, stürzen sich die Nomaden der Phantasie in eine hohle Erde, um neue Zivilisationen nicht am anderen Ende, sondern in ihrem Zentrum zu finden diese nie aufhörende und doch vergebliche Suche nach einer besseren, nach einer anderen Menschheit. Der Eintritt in schöne neue Welten oder Utopien.Und was spiegelt sich dort? „Hohle Männer“ und Frauen in einem wüsten Land, „mit Stroh im Schädel“? Oder ein Reich, in dem die Sonne niemals untergeht mit seinen religiösen, wenn Sie wollen, christlichen Obertönen von Theopolitik, Theo-Ökonomie und Theokolonialismus? Oder ein Imperium der Neuen Weltordnung, in dem der christliche Tanz um das goldene Kalb sich in eine Jagd nach dem goldenen Reh des Kapitals verwandelt hat, jenem scheuen Wesen, das sich vor sozialer Gerechtigkeit hütet und immer bereit ist zu fliehen fort vor Verantwortung, vor dem Wurzeln schlagen. Unterdessen fällt sein güldener und silberner Mist durch globale Wurmlöcher und Netz-Tunnel, die den Globus umspannen und reale wie virtuelle Welten verbinden, in denen die Sonne niemals untergeht. Elektronische Daten gesammelt von Online-Kulis, in winzigen Zellen sitzend, für Online-Herrschaften. Bedeutet dieser Kontakt Kommunikation? Diese ganzen Hotlines und Call Centres in Kalkutta oder Ouagadougou? Und ist die Auslagerung nach China oder Rumänien Produktivitätssteigerung? Oder ist dies alles nur eine subtilere Form der Sklaverei? Was für den Einen Benzin, ist für den Anderen Hunger. Eine wahnsinnig gewordene Globalisierung. Spiegelungen, Ebenbilder, digital gepixelte und gebeamte Illusionen oder Maya? Und die Nomaden der Phantasie, die sich nun emporschwingen von keinerlei Grenzen gehalten um Kunst zu schaffen, beispielsweise uralte Mandalas aus zermalmten Sand von Edel- und Halbedelsteinen. Tage lang laborieren sie, um komplizierte Muster im Sand zu kreieren, die kaum fertiggestellt, schon wieder verwischt werden. Auf der einen Seite der Welt fegen murmelnde tibetische Mönche ihre Mandalas in einen Glasbehälter und schütten sie anschließend ins Wasser, in den Bach, den Fluss, das Meer. „In meinem Ende ist mein Anfang.“ Und auf der anderen Seite der Welt zerstören Navajo Indianer ebenfalls ihre Sandgemälde, Produkte tagelanger Arbeitsmühe, noch vor der Morgendämmerung, um so die Harmonie zu wahren. Nur das Vergängliche ist von Dauer. Dies ist der ultimative Luxus im Sinne von George Bataille: die Erschaffung von Kunst und, durch ihre anschließende Auslöschung, die Zerstörung von Reichtum eine verschwenderische Ausgabe, jenseits des Profitprinzips. Und wenn der Sturm kommt, und wenn die Flut kommt, um das Kunstwerk für sich zu reklamieren, wird es wieder in den Lebenszyklus einverleibt oder es entweicht durch das kosmische Loch. So mag die Reise ohne Grenzen beginnen. Und auf dem windgepeitschten Strand von Busan hört man das Knirschen und Knarren der Selbstironie. Hamburg 2008, © Navina Sundaram; Journalistin und Filmemacherin
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