1-Kanal video mit music von SWOD. Der Klassiker von Karina Smigla-Bobinski wurde gezeigt auf Festivals und Ausstellungen auf dem ganzen Welt.
Wasser ist das grösste Bestandteil des menschlichen Wesens. So wie ein Tropfen Wasser seinen Weg zwischen Himmel und Erde macht, so ist der Mensch im permanenten Austausch mit der Umwelt.
> Philosophie und Kunst von Dr. Phil. Tatjana Schönwälder-Kuntze
(...) Ein dialektischer Prozess wird sichtbar, wenn der Schaffensprozess selbst betrachtet wird: Aus der (Um)Welt wird von der Künstlerin etwas wie eine Einsicht, ein Problem, eine Situation „herausgenommen“. Dies wird zu einer neuen Idee, einem neuen Gedanken, der über die künstlerische Umsetzung eine Veränderung erfährt und dann verändert, d.h. als wiederum neuer in die Welt entlassen wird. So verändert ihre Kunst die Welt, indem sie sie spiegelt. Die „Routen“-Installation zeigt den einzelnen Menschen als einen Tropfen und somit auch seine Einsamkeit. Da sich die Tropfen bewegen, verändern sich die Gesichter und damit ist eine Pluralität im einzelnen, vielleicht seine verschiedenen Rollen im täglichen Leben angesprochen. Er ist aber auch in Gesellschaft, denn es fließen mehrere, viele Tropfen. Bei genauerem Hinsehen fällt jedoch auf, dass die Gesichter in den anderen, gleichzeitig fließenden Tropfen immer wieder nur das eine gleiche Gesicht zeigen was die Einsamkeit der vielen nur noch deutlicher macht. Da aber nicht alle Tropfen gleich schnell fließen, ist auch wiederum die individuelle Zeit jedes Individuums angesprochen. Die Betrachtung dieser Installation involviert den Besucher, lässt ihn die dialektische Bewegung vom Individuum zur Gesellschaft und zurück durch die Betrachtung und während des Betrachtens nachvollziehen. Somit kommt die Betrachtung einer Verführung gleich, das Denken und Empfinden in Bewegung zu versetzen. Über die Betrachtung der Tropfen erschließt sich diese Bewegung allerdings nicht intellektuell, sondern über hervorgerufene Empfindungen, spontane Assoziationen u.ä. sie bleibt präsprachlich. Durch die interaktiven Videoinstallationen bleibt in der Kunst von Karina Smigla-Bobinski eine maximale Lebendigkeit erhalten, die immer wieder auch für die Philosophie von Sokrates über Hegel, Heidegger und Sartre gefordert worden ist und wird. Andererseits sind Installationen auch in besonderem Maße vergänglich und zeigen damit den Charakter des Lebendigen von seinem dialektischem Gegenüber, von der Seite des Todes her. Das Unvergängliche in der Kunst wie in der Philosophie besteht dann gerade darin, das komplexe Zusammenspiel von Werden und Vergehen als Prozess und nicht als Resultat zu begreifen und in seiner Lebendigkeit zu vermitteln.
© Dr. Phil. Tatjana Schönwälder-Kuntze, 2004
> Erscheinungen in einer Welt der Erscheinungen by Cornelia Kleÿboldt, M.A.
(...) Karina Smigla-Bobinski versteht sich als Malerin, jedoch hat sie ihr Malmaterial, das traditionellerweise die Verwendung von Farbe auf einem Malgrund vorsieht, erweitert. Das "Malmaterial" können sowohl Farben, als auch Licht in Form von projizierten Vorlagen sein. Der "Malgrund" kann eine Leinwand sein, aber auch eine Wasseroberfläche, ein Schatten auf der Wand oder sonstige Projektionskörper mit reflektierenden Eigenschaften. In ihrer "malerischen Technik" bzw. der Verwendung eines "Malwerkzeugs" ist die Künstlerin keineswegs auf die Handhabung eines Pinsels oder sonstiger leinwandtauglicher Utensilien angewiesen. Sie arbeitet mit Spiegelungen oder Projektionen bei denen manuelle Eingriffe, bzw. Handlungsvorgaben und vor allem als Linsen funktionierende Objekte die Transformation einer wahrgenommenen Vorlage in eine künstlerische Wirklichkeit übernehmen. Insbesondere Spiegelung bzw. Reflexion, wie auch die Durchlässigkeit bzw. Transparenz von Materie sind Eigenschaften, die als "Linse" ein Bild der Welt aufnehmen, transformieren und gespiegelt weitergeben.
Es ist als wären die Bilder von Smigla-Bobinski "wirkliche Bilder" neben bzw. in der sogenannten "Wirklichkeit" und letztlich verführt dieses Nebeneinander zu Illusionen. Das "So tun als ob" der Bilder eröffnet den Augen in jedem Fall einen Ausblick und eine Perspektive auf eine künstlerisch transformierte Wirklichkeit, deren Möglichkeiten als Bereicherung und Mitteilung neben der Wirklichkeit des Betrachters steht. Sie projizieren die Wirklichkeit als "verfremdete" Wirklichkeit in den Raum und spielen vorher nicht wahrgenommene Möglichkeiten als deren Vergegenwärtigung ein. Es ist, als entstünde ein Gleichgewicht zwischen Kunst und Wirklichkeit, zwischen einer künstlichen Wirklichkeit und einer wirklichen Kunst auf dem gemeinsamen Nenner der "Erscheinung", einer einzig vom Licht abhängigen Sichtbarkeit.
Karina Smigla-Bobinski läßt die verdichteten, zugespitzten Umsetzungen bzw. Transformationen ihrer Beobachtungen und inneren Aufzeichnungen wie ein unerklärliches Zaubertheater aussehen, um schließlich mit der Nüchternheit und Einfachheit ihrer Grundlagen und Verfahrensweisen zu verblüffen. Die vorgenommenen Manipulationen, Veränderungen oder Verfremdungen der wahrgenommenen Wirklichkeiten in deren künstlerischer Umsetzung basieren auf einfachsten Mitteln und Techniken: Bewegungen werden verlangsamt oder beschleunigt, Laufrichtungen werden entgegen der Schwerkraft verändert, Maßstäbe werden verzerrt, vergrößert oder verkleinert, das Verhältnis von Aktion und Reaktion erscheint umgekehrt. So läuft z.B. ein Wassertropfen auf einer Glasoberfläche um ein Vielfaches vergrößert nach oben. Das sich auf ihm abbildende, dahinter, durch die extreme Vergrößerung kaum erkennbare Gesicht, schneidet in "Slow- Motion" auf der Form des Tropfen Grimassen. Während es der Wassertropfen ist, der sich ständig wandelt, sieht es jedoch so aus, als würde das Gesicht sich verändern.
Die Mittel sind sehr einfach, ihre Wirkung, der Zauber erscheint demgegenüber um so größer. Man muß schon genau hinsehen, um zu erkennen, daß Wasser als Träger des gespiegelten Bildes dem gespiegelten Bild Atem, Wachstum und Leben verleiht. Der mögliche Rollentausch der Bestandteile einer künstlerischen Arbeit bzw. „Mehrfachbesetzungen“ steigern ihre Komplexität und entziehen sich so einer eindeutigen Analyse. Es gibt im Diskursiven immer nur einen Weg, den man einschlagen kann; die Wirklichkeit zu lesender Bilder hingegen, hängt vom Standpunkt des Betrachters ab.
© Cornelia Kleÿboldt, M.A., 2005
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