Dieses Projekt besteht aus zwei Teilen.
Teil 1. > In Situ Projekt
Installation in öffentlichen Raum, für eine Zeit von ca. 1 Woche, zusammen mit Screening von eingereichten Online-Beiträgen. Google Maps wurde aus dem virtuellen Space in die reale Welt geholt. Über einer Kirche schwebt ein Ballon, der in Form, Farbe und Aufdruck an Google Maps-Markierungen erinnert. Auf dem über der Kirche schwebenden Luftballon ist ein Fragezeichen zu sehen.
Teil 2. > Online Projekt
Internet-Plattform, auf der eine Google-Maps-Seite integriert ist, die die gleichen Markierungen wie sie, aufweist. Sie ist gleichzeitig ein offenes Art-Projekt und ein Diskussionsforum. Die Web-Besucher können sich im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild machen. Außerdem werden sie animiert, sich einen eigenen Standpunkt zu bilden und diesen online zu stellen.
Die Teilnemer werden von volgenden Fragen gestellt:
Was verbirgt sich hinter den Religionen?
Wo verorten wir sie in unserem Leben?
Welchen Platz sind wir bereit ihnen zu geben?
Sind wir nur Statisten im Kampf der Giganten?
Brauchen wir die Gotteshäuser, wie Kirchen, Moscheen oder Tempeln wirklich noch?
Verleihen wir abermals, diesmal dem Internet und Wirtschaft zu große Autorität?
Haben uns die Iraner, bei den Presidentschaftswahlen nicht gezeigt, dass das Internet durch seinem Säkularismus auch ein perfektes Medium des Widerstandes sein kann?
Und welche Rolle spielt der Atheismus, mit seinem naturalistischen Weltbild oder der Agnostizismus im Bezug auf eine säkulare, evolutionär-humanistische Ethik?
Ist Gott nur eine Wahnvorstellung?
Künstler, Kulturschaffende und Kulturinteressierte aller Glaubensrichtungen, Atheisten und Agnostiker auf der ganzen Welt sind eingeladen, ihren Beitrag zu leisten.
Diese Plattform läßt den Wald vor lauter Bäumen wieder sichtbar werden.
QUERY - In Situ and Online Art Project von Karina Smigla-Bobinski
Das Internet, in unserer globalisierten Welt, liefert in Sekundenschnelle Antworten auf alle Fragen. Mühelos und wie auf Engelsflügeln können wir via Google Maps oder Google Earth so gut wie jeden Punkt auf dieser Erde augenblicklich erreichen. Satellitenaufnahmen machen es möglich. Nur ein Mausklick entfernt warten begierig Videos, Fotos und endlos viele weitere Informationen rund um die Uhr auf uns. Langsam aber stetig löst das World Wide Web das analoge Wissen ab, indem es auf alle Fragen noch ausführlicher kommentierte, besser vorsortierte, ästhetischer verpackte Antworten für uns bereit hält als jede Enzyklopädie. Wir geben uns alle weltoffen, surfen durchs digitale Universum und glauben über vieles Bescheid zu wissen, was die Welt bewegt ... wie z.B. die Rückkehr der Religionen.
Früher besaßen die Kirchen ein Informationsmonopol. Sie waren die Institutionen, die jahrhundertelang die alleingültigen Antworten lieferten. Heute besitzt das Internet das Monopol und somit die Entscheidungsmacht über Existenzberechtigung: Nur das was bei Google erscheint, scheint uns wirklich ernsthaft, glaubwürdig und existent zu sein. Auch das globale Management verdankt dem Internet seinen Siegeszug, denn nur so konnte so etwas wie die allmächtige und allgültige Wirtschaft entstehen. Das globale Management verspricht uns heute das Heil der Menschheit und liefert uns neue Antworten auf die alten Fragen. Damit macht sie den Religionen ihren Weltherrschaftsanspruch streitig.
„Nun ist er Heil und Kraft geworden - mit diesen Worten hat das Christentum die Herrschaft von Christus verkündet. Die selben Worte verkünden heute das Versprechen und die Macht der globalisierten Wirtschaft. Diese einfache Botschaft hält die ganze Welt im Griff. “ Gérard Caillat
Das World Wide Web ist zu einem Reich mutiert, in dem die Sonne niemals untergeht.
Die letzte Stunde der Religionen hat aber noch nicht geschlagen. Sie sind auferstanden und holen auf. Der Islam machte den Anfang, dann zog das Judentum und Chistentum nach. Der erster meldete sich lautstark mit einer Kriegserklärung an die Global Players. Die zwei anderen reiten zur Zeit sehr erfolgreich auf dem Islam herum. Der Buddismus dagegen wartet gelassen, mit einem sanften Lächeln im Gesicht, bis sich die anderen zerfetzt haben und fangen inzwischen alle auf, die von den ersteren enttäuscht wurden.
Die Rückkehr der Religionen, von der man heute spricht, zeigt sich unter anderem daran, dass sich die Religionen jetzt auch des öffentlichen Raumes und der digitalen, visuellen Kommunikation bedienen. Dadurch begeben sie sich aus der veralteten, analogen, ineffizienten und dadurch ins Private abgerutschten Stellung erneut in die Offensive. Die Vertreter gegenwärtiger Religionsgemeinschaften verwenden verstärkt die Bilder, die dank der Massenmedien fast augenblicklich über die ganze Welt verbreitet werden und somit eine grosse Schlagkraft besitzen.
Es ist nicht das erste Massenmedium, dem sich die Religionen bedienten. Luther übersetzte die Bibel aus dem Altgriechischen ins Deutsche und bediente sich eines neuen Massenmediums, des Buchdrucks um den Menschen die Religion in ihre Häuser zu bringen. Mit dem heutigen Massenmedium, dem Internet, das eine Übersetzung in die HTML-Sprache mit sich brachte, wird versucht die Menschen in ihren Häusern abzuholen, zurück zur Religion.
Der heutige Stand der Dinge ist: Wir haben eine theosophische und eine atheistische Religion, die um das Weltmonopol kämpfen. Dessen Produkt ist ein Mensch mit einer Persönlichkeitsspaltung. Einerseits wollen wir von der Wirtschaft profitieren, Kariere machen und ein prall gefülltes Bankkonto besitzen. Wir bedienen uns nüchtern der Wissenschaft und Technik und glauben fest an den Fortschritt. Andererseits wollen wir unendlich lang leben. Wir sind doch nicht so selbständig und selbstsicher, wie wir uns geben. Wir heiraten auf religiöser art, lassen unsere Kinder sich einer Initiation Zeremonie unterziehen, wie Taufe oder Beschneidung und wenn es soweit ist, lassen wir uns in einer religiösen Zeremonie bestatten. Gleichzeitig nennen wir uns aber nichtpraktizierend.
Eine kontroverse über genau diesen Zwiespalt der modernen Gesellschaft will das "query" hervorrufen.
Mit diesem Projekt wird diese Thematik in kubistischer Manier von vielen Standpunkten aus untersucht, um alle Seiten, Farbspektren und Schatten wahrzunehmen.
Zu diesem Zweck wird Google Maps aus dem virtuellen Space in die reale Welt geholt. Über einer Kirche wird ein Ballon schweben, der in Form, Farbe und Aufdruck an Google Maps-Markierungen erinnert. Auf dem über der Kirche schwebenden Luftballon wird ein Fragezeichen zu sehen sein und so die Kirchen „in Frage gestellt“:
Was verbirgt sich hinter den Religionen?
Wo verorten wir sie in unserem Leben?
Welchen Platz sind wir bereit ihnen zu geben?
Sind wir nur Statisten im Kampf der Giganten?
Brauchen wir die Gotteshäuser, wie Kirchen, Moscheen oder Tempeln wirklich noch?
Verleihen wir abermals, diesmal dem Internet und Wirtschaft zu große Autorität?
Haben uns die Iraner, bei den Presidentschaftswahlen nicht gezeigt, dass das Internet durch seinem Säkularismus auch ein perfektes Medium des Widerstandes sein kann?
Und welche Rolle spielt der Atheismus, mit seinem naturalistischen Weltbild oder der Agnostizismus im Bezug auf eine säkulare, evolutionär-humanistische Ethik?
Ist Gott nur eine Wahnvorstellung?
„Man wird nie beweisen können, dass etwas nicht existiert. Aber es gibt viele Sachen, wie Einhörner, Feen oder Kobolde, von denen wir nicht glauben, dass es sie gibt, obwohl wir es nicht beweisen können. Gott ist auch so. Wir können es nicht beweisen, dass es ihn nicht gibt. Aber das macht ihn trotzdem nicht sehr wahrscheinlich.“ Richard Dawkins
Um den Antworten und weiteren Fragen eine Plattform zu geben, entstand diese Internetseite, auf der eine Google-Maps-Seite integriert ist, die die gleichen Markierungen wie sie, aufweist. Die Besucher vor Ort und die Besucher im Web können sich im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild machen. Außerdem werden sie animiert, sich einen eigenen Standpunkt zu bilden und diesen online zu stellen.
Dank der vielen von Google Maps zur Verfügung gestellten Tools ist es möglich, die Maps mit Fotos, Videos oder Kommentaren zu ergänzen (sehe "apply"). Künstler, Kulturschaffende und Kulturinteressierte aller Glaubensrichtungen, Atheisten und Agnostiker auf der ganzen Welt sind eingeladen, ihren Beitrag zu leisten. In Google Maps sollen sie in ihren Ländern Fragezeichen platzieren und dann die oben skizzierten Fragen mit Videos, Fotos oder Texten anreichern, diskutieren, beleuchten. Gleichzeitig können die Besucher über die Arbeiten auf einem eigens eingerichteten Forum diskutieren.
© Karina Smigla-Bobinski, 2009
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