Die Videoinstallation "Paradies" im Eingangsfoyer zeigt in den Rundfenstern über den Türen Filme von Karina Smigla-Bobinski, in denen Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen aus aller Welt ihre Vorstellung vom Paradies erklären. Drei Fragen wurden gestellt:
Was weißt du über das Paradies?
Was ist das Paradies für dich?
Und wo ist es?
Das Wort Paradies kommt aus dem Persischen und bedeutet eigentlich Einzäunung. Im Griechischen hat es eine Erweiterung in Richtung „Park, Tiergarten“ erfahren, so dass es als umzäunter Garten gedeutet wurde, in dem Menschen frei von Angst und Sorge leben konnten. Der biblische Sündenfall ist, psychologisch gesehen, gleichzusetzen mit der Entdeckung des eigenen Ichs. Das Bewusstsein, einen eigenen Willen zu haben, hat die Vertreibung aus dem Paradies zur Folge. Diese Vertreibung ist endgültig und nicht revidierbar, auch wenn der Wunsch danach ein Leben lang bleibt. Das Paradies wird zur Utopie.
So weit die Theorie. In der Praxis sehen die Paradiesvorstellungen wesentlich irdischer und vor allem weniger utopisch aus. Ungeachtet der Tatsache, dass viele der Menschen, die Karina Smigla-Bobinski nach ihren Paradiesvorstellungen befragt hat, wenig Grund zur Annahme haben, in einem Paradies zu leben, glauben sie, es gefunden zu haben, und zwar nicht unbedingt in der Ferne. Je länger man den Interviews zuhört, je mehr wird klar, dass sich die Bilder vom Paradies sehr stark am Hier und Jetzt des Daseins orientieren. Dabei zeigen sich über Religionsgrenzen hinweg manche Ähnlichkeiten. Paradies ist für viele ihr Zuhause, die Familie, die Arbeit. Es kann aber auch ein geistiger Ort sein, der Garten der Kindheit, den man in Gedanken immer wieder besucht, um Kraft zu tanken. Oder das Haus im Gazastreifen, das nicht mehr existiert und von dem nur ein Schlüssel geblieben ist, der wie eine Reliquie gehalten wird. Oft ist es auch die eigene Stadt, die Heimat. Viele verbinden es allerdings mit Meer, Sonne und Palmen. Sie sehnen sich dorthin, wo viele der Armen dieser Welt ihr Leben fristen. Aber das kommt in ihren Träumen ebenso wenig vor wie die hohen Lebenshaltungskosten in ihrer eigenen Stadt. (...)
© Hanne Weskott, München, 2008, "Zwei Videoinstallationen in Statetheatre at the Gärtnerplatz for 850-year anniversary of Munich"
Eine Production von Staatstheater am Gärtnerplatz
Mit freundlicher unterstützung von Magic Event- & Medientechnik GmbH
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